Hegering Schwesing: Gedanken zur aktuellen politischen Situation der Jagd


Immer wieder, wenn einer etwas gegen die Jagd vorbringt hört man Sätze wie: "In der Natur regelt sich alles von alleine" und "die Jäger wollen doch nur schießen." Dabei wird aber vergessen, dass wir heute nicht mehr in einer Naturlandschaft leben, sondern in einer Kulturlandschaft. So fehlt z.B. das Großraubwild völlig und durch die Landwirtschaft sind Nahrungsquellen vorhanden, die in einer Naturlandschaft völlig fehlen. Andererseits sind durch die heutige Landwirtschaft Lebensräume verloren gegangen. Liebe Leser, ich möchte mich hier nicht so verstanden wissen, das ich die Landwirtschaft angreife, die Landwirte sind dem Wandel in der Agrarwirtschaft unterworfen und müssen ökonomisch wirtschaften, wenn sie ihren Betrieb und damit ihr Einkommen sichern wollen. Dieser Wandel hat sich in den Revieren deutlich bemerkbar gemacht, das führt dazu, dass es die Nahrungsspezialisten, die z. B. auf Wildkräuter und Insekten angewiesen sind, heutzutage schwer haben. Andere Tierarten, die man als Nahrungsgeneralisten bezeichnet, breiten sich immer weiter aus. Als Beispiel nenne ich Wildschweine, Füchse und Krähen. Der Fuchs zum Beispiel lebt überwiegend von Mäusen, bedient sich aber auch beim Jungwild. Wenn diese Nahrungsquellen versiegen, kommt es nicht zwangsläufig zu einem natürlichen Rückgang der Füchse, vielmehr werden andere Nahrungsquellen von den Füchsen erschlossen, z.B. Verkehrsopfer und Siedlungsabfälle. In extremen Situationen kann der Fuchs sogar mit pflanzlicher Nahrung zurechtkommen. Bei einer ungebremsten Vermehrung z.B. des Fuchses würde die Gefahr der Tollwut erheblich zunehmen. Tollwut wäre dann ein Fall der Aussage: "Es regelt sich alles von alleine", oder denken sie an das Seehundsterben an unserer Küste, dort hat sich auch "alles von alleine geregelt." Ich frage sie, wollen wir so etwas, doch wohl nicht. Die Jäger haben sich verpflichtet, einen artenreichen und gesunden Wildbestand in ihren Revieren zu erhalten, dazu gehören dann aber zwangsläufig auch Eingriffe mit der Büchse. Ich sehe die heutigen Jäger damit durchaus in der Tradition des heiligen Hubertus, der von einem hemmungslosen Wildschützen zu einem Bewahrer der Natur wurde.

Autor: Kay-Hermann Jacobsen