Hegering Viöl informiert: Guten Nacht, Wiesenvögel?


Seit vielen Jahren nimmt der Bestand der typischen Wiesenvögel – Kiebitz, Großer Brachvogel, Rotschenkel, Uferschnepfe – beständig ab. Ursachen sind erwiesenermaßen Gefährdungen auf dem Zugweg oder im Winterquartier und der geringe Bruterfolg. Für den geringen Bruterfolg sind schnell „Schuldige“ gefunden: Für die einen ist es die landwirtschaftliche Nutzung, die selbst in Schutzgebieten noch zu intensiv betrieben wird. Für andere sind es die allgegenwärtigen Aaskrähen, die keinen Jungvogel groß werden lassen. Besonders in Ostdeutschland wird oft der Fuchs für die Brutverluste verantwortlich gemacht.

Sicherlich spielen alle diese Einflüsse eine Rolle. Einige können wir Jäger beeinflussen: Wildwiesen und –äcker werden von den Jägern angelegt und gepflegt. Die Aaskrähe wird per durch die untere Naturschutz-Behörde genehmigten Antrag durch Jäger dezimiert. Auch den Raubsäugern wird durch die Jägerschaft intensiv mit Erfolg nachgestellt, was auch dringend nötig ist. Nasse Vogelwiesen werden benötigt, denn aus den stark entwässerten Wiesen ist ein schwach feuchtes Feldmaus-Grünland geworden. Hier lohnt es sich für Fuchs, Wiesel & Co. mehr als früher, diese Flächen abzulaufen, und dabei nehmen sie auch Gelege mit.

Eine weitere nicht zu unterschätzende Gefahr wird durch die letzte PISA-Studie in den Vordergrund gerückt. Während Kenntnisse in Mathematik (übrigens leicht verbessert) und die Fähigkeit zur Erfassung von deutschen Texten (leider erschreckend schlecht) wesentliche Felder des Studieninhalts sind, spielen Fragen zur Ökologie oder der Artenkenntnis von Pflanzen und Tieren nur eine untergeordnete Rolle. Die geringe Wertigkeit dieser Themen in der Ausbildung von Kindern macht nachdenklich.
Dr. Veit Hennig, Vorsitzender des Vereins Jordsand, stellt fest, dass er in seinen Lehrveranstaltungen im Fach Biologie an der Universität Hamburg nur ausnahmsweise auf einen Studenten trifft, der schon vor dem Studium eine gewisse Kenntnis der heimischen Flora und Fauna hat. Die klassische Disziplin der Biologie, Artenkenntnis, als einzige Kompetenz bietet in Deutschland kaum eine Berufsperspektive. Daher wird an den meisten Universitäten die Lehre zu Grundkenntnissen der Freilandökologie immer mehr eingeschränkt. Nur werden hier die zukünftigen Lehrer ausgebildet. Dies ist leider ein Teufelskreis!
Wer keine Arten mehr kennt, dem fällt auch nicht auf, wenn eine Art verschwindet.
Die Naturschutzverbände müssen daher vermehrt die Umwelt- und Naturbildung übernehmen.