Hegering Viöl informiert: Rabenvögel und Artenschutz


Jeder kennt sie, die Aaskrähe mit den Farbvarianten Rabenkrähe und Nebelkrähe, die Elster und den Eichelhäher, denn sie sind weit verbreitet in der Kulturlandschaft. Viele Natur- und Vogelfreunde müssen mit ansehen wie unter anderem Singvogelnester von den genannten Rabenvögeln geplündert werden.

Das war nicht immer so! Es ist noch keine 30 Jahre her, da durften Rabenkrähen und Elstern ganzjährig bejagt werden. Da waren sich alle Vertreter der Politik, der Jagd und des Natur- und Vogelschutzes einig. Heute ist der Vollschutz der Rabenvögel ein erheblicher Streitpunkt zwischen der Jägerschaft mit ihren Verbänden und Naturschutzverbänden und –behörden, die fest daran glauben, dass man in Naturkreisläufe nicht eingreifen darf. Sie vergessen dabei nur, wir haben hier bei uns nicht die fast ungestörten Naturkreisläufe von Alaska oder Sibirien; wir haben hier eine reine Kulturlandschaft von den Menschen, die hier leben, gestaltet und geprägt. Dabei sind die Rabenvögel eigentlich mehr zufällig unter Schutz der EU-Vogelrichtlinie gestellt worden. Die Rabenvögel gehören in der Systematik der Klasse der Vögel in die Ordnung der Sperlingsvögel. In dieser „Ordnung“ finden wir übrigens alle Familien unserer Singvögel wie z.B. Lerchen, Schwalben, Zaunkönige, Baumläufer, Kleiber, Meisen, Braunellen, Stare, ... und eben auch die Rabenvögel!

In Deutschland wird die EU-Vogelschutzrichtlinie sehr eng ausgelegt, mit der Folge, dass allen Rabenvögeln 1986 der besondere Schutz der Bundesartenschutz-Verordnung zuerkannt wurde.

Durch den Vollschutz hat sich einiges verändert, belegt durch ein Gutachten für die Insel Amrum im Jahre 1998 (Kosten DM 45000.-) in Auftrag gegeben vom Landesamt für Umweltschutz: Die Anzahl der Rabenkrähen-Brutpaare hat sich von 15 bis 18 zu Beginn des Vollschutzes auf 70 bis 80 erhöht. Zusätzlich treiben sich noch Junggesellenscharen (Populationsreserve) mit bis zu 300 Vögeln auf der Insel rum. Des weiteren stellt das Gutachten fest, „dass die Nachwuchsrate bei Kiebitz und Austernfischer nicht ausreichend für eine Bestandserhaltung ist“. Welchen Schluss ziehen nun die ideologischen Naturschützer? Die Ursachen liegen nicht bei den Krähen, sondern es werden Landwirtschaft und Fremdenverkehr verantwortlich gemacht. (Anmerkung: Auf Amrum gibt es noch 4 Landwirte und die landwirtschaftliche Nutzfläche liegt unter einem Drittel der Inselfläche.)
Speziell die Aaskrähen sind extrem lernfähige Vögel; treten durch Überpopulation Nahrungsengpässe auf, erschließen sie umgehend neue und früher unwesentliche Nahrungsquellen. Krähen sind Überlebenskünstler; vom Koppelpfahl beobachten sie die Feldlerche so lange, bis sie wissen, wo das Gelege ist. Oder sie spazieren in Trupps über die Weide und inspizieren jeden Halm, bis sie etwas gefunden haben. Sie sind auch in der Lage, sich beim Überfliegen von Gelände die Struktur einzuprägen. Beim nächsten Überfliegen wird dann jede Veränderung sofort registriert und dadurch Nahrung erschlossen. Weiterhin sind sie auch in der Lage zu mehreren, Altvögel bis zur Größe von Sturmmöwen und Eiderenten zur Strecke zu bringen. Alles, was Krähen einmal gelingt, gelingt immer wieder!


Der Druck der Rabenvögel auf viele andere Vögel ist so groß, dass die EU-Kommission 1994 dem Rechnung getragen hat und die Rabenvögel in die Liste der bejagbaren Arten der EU-Vogelrichtlinie auf genommen hat. Die Umsetzung dieser Richtlinie in nationales Recht stößt in Teilen Deutschlands auf ?ideologische? Schwierigkeiten. Durch eine Übernahme von Aaskrähe, Elster und Eichelhäher ins Jagdrecht könnte überall dort, wo es notwendig ist, unbürokratisch eingegriffen werden. Angst vor zu massiver Verfolgung muss niemand haben, denn Eingriffe werden nur bei großen Dichten vorgenommen. Bei geringer Dichte ist eine Erfolg versprechende Bejagung der schlauen Vögel zu aufwändig. Außerdem gehören diese klugen und charakteristischen Vögel als wichtige Glieder in die Natur, aber eben nicht in unbegrenzter Anzahl!

Seit dem 18. Oktober 2005 dürfen Aaskrähen und Elstern vom 01.08. bis 20.02. bzw. bis 28.02. in Schleswig-Holstein wieder bejagt werden. Dazu gehört auch, dass sowohl Aaskrähen als auch Elstern zur Abwehr erheblicher landwirtschaftlicher Schäden und zum Schutze der heimischen Tierwelt mit Einzelfangfallen nachgestellt werden darf.