Hegering Viöl informiert: Knicks – Entstehung, Bedeutung und sachgemäße Pflege


Knicks – Entstehung, Bedeutung und sachgemäße Pflege

Unsere Knicklandschaft entstand, als um 1770 durch die Verkoppelungsgesetze die Feldgemeinschaften und der Flurzwang aufgehoben waren. Die Dorffluren und Gemeindeweiden wurden vermessen. Jeder Bauer hatte nun den ihm zugewiesenen, eigenen Grund und Boden mit „lebendem Pathwerk“ einzukoppeln. Die Landschaft wandelte sich durch die Verkoppelung zu der für unsere Gegend so charakteristische Knicklandschaft.

Ursprünglich dienten Knicks im Wesentlichen als Einzäunung. Deshalb wurden Sträucher und Bäume der Wallhecke auf unterschiedliche Weise mit einander verflochten. Die jungen Schösslinge wurden seitlich eingeritzt, herab geknickt und in der Erde verankert. So erklärt sich die landestypische Bezeichnung „KNICK“. Heute leiten wir den Begriff vom „Knicken“, vom Auf-den-Stock-setzen, ab.

Den Knick kann man mit zwei zusammen gerückten Waldrändern vergleichen. An diesen Übergangsstandorten leben Tier- und Pflanzenarten der Wälder, der Waldränder, aber auch der offenen Landschaft in vielfältigen Gemeinschaften eigenständig zusammen. Unter Berücksichtigung der klimatischen und bodenkundlichen Verschiedenheit konnten von Nordfriesland bis Lauenburg ca. 85 Knicktypen unterschieden werden. Zu den bekannteren zählt der „alte bunte Knick“, der aus den einheimischen, wild wachsenden Gehölzen der benachbarten Wälder, die in „bunter“ Reihenfolge gepflanzt wurden, entstand. In früheren Jahren stand die Knickpflegenutzung im direkten Zusammenhang mit dem Fruchtwechsel auf den Flächen. Der sechsjährigen Ackerphase folgte eine dreijährige „Brache“-Phase, in der die Flächen beweidet wurden. Hierdurch wurden Gehölzarten mit besonders gutem Stockausschlag-Vermögen, wie zum Beispiel Hainbuche, Hasel, Esche und Weide, durch Verbiss ebenso gefördert, wie die mit Dornen bewehrten Sträucher (Weißdorn, Schlehe, Rosen), die das Weidevieh nicht so stark verbiss wie andere Gehölzarten. So wurde ganz natürlich je nach Wüchsigkeit genutzt und gepflegt. Mehr oder weniger einartige Knicks wie Teebusch- oder Fliederknicks auf einigen Geeststandorten ergänzen die reiche Skala an Knicktypen. Je nach Knicktyp und Qualität leben in diesem Biotop bis zu 7000 Tierarten!
Knicks haben für das Kleinklima (Windschutz, Taubildung) eine ähnlich positiv ausgleichende Bedeutung wie naturnahe Laubwaldbestände für das Regionalklima. Die Auswirkungen erstrecken sich auf einen Bereich von 150 – 200 m Entfernung vom Knick. Von der artenreichen Kleintier- und Pflanzenwelt der Knicks ernähren sich zahlreiche höhere Tiere vom Singvogel bis zum Reh, zumal sich angrenzend meist großflächigere Intensivnutzungsflächen erstrecken, die nur mittelbare Lebensraum-Funktion aufweisen. Daher ist die Erhaltung einer funktionsfähig ausgeprägten Knicklandschaft auch von besonderem jagdlichen Interesse.

Trotz des langjährigen gesetzlichen Schutzes ist die aktuelle Erhaltungssituation der verbliebenen Knicks teilweise in einem beklagenswerten Zustand. Von rund 75.000 km Knicks im Jahre 1950 sind heute nur noch ca. 45.000 km, also etwa 60%, erhalten geblieben. Aber auch die Qualität der Knicks ist vielfach schlechter geworden. Weder der durchgewachsene, zur Baumreihe gewordene Knick, noch der wie eine Gartenhecke geschnittene Knick und schon gar nicht eine Neuanpflanzung zu ebener Erde, dazu noch oft mit nicht einheimischen Gehölzen, sind dem alten bunten Knick gleichwertig.

Das Auf-den-Stock-setzen ist eine verbreitete Pflegeart vor allem für unsere alten bunten Knicks. Hierbei werden schnell wachsende Arten (Hasel, Esche, Weide) abschnittsweise so dicht wie möglich am Stockausschlag-Stubben etwa alle 10 Jahre abgeschnitten. Langsam wachsende Arten werden nur zurück geschnitten, sonst werden sie von den schnell wachsenden Arten verdrängt. (Wo sind die früher reichlichen Schlehensträucher geblieben?) Sind schon Bäume vorhanden, können einzelne Exemplare als Überhälter im Abstand von 20 bis 50 m stehen bleiben. Wo immer es möglich ist, sollte der Knickwall nach dem Knicken ausgebessert werden. Buschholz sollte so schnell wie möglich, bevor sich Vögel und andere Tiere einnisten können, entfernt werden. Das Reisig auch nicht auf dem Knickwall ablegen, es behindert den gewünschten Stockausschlag und schafft reine Brennnesselstandorte.
Warum sollten Knicks nun nur abschnittsweise geknickt werden? Viele Bewohner der Knicks benötigen ganz bestimmte Entwicklungszustände der Wallhecke. Haben wir nun über lange Strecken oder auf mehreren Hektar sämtliche Knicks auf den Stock gesetzt und dann auch noch ohne Beachtung der Wüchsigkeit, schaffen wir ein einheitliches Landschaftselement, das den Bedürfnissen unserer Tierwelt im und am Knick nicht Lebensraum sein kann.
Nur ein Beispiel, warum Knicks nur abschnittsweise auf den Stock gesetzt werden sollten: Die Goldammer gilt als „Zeigervogel“ für eine intakte ökologisch ausgewogene Landschaft. In bestimmten Teilen unseres Hegerings kommt sie als Brutvogel vor. Wir freuen uns darüber! Nun müssen wir nur beachten, dass die Goldammer bevorzugt in etwa 5-jährigem Gehölz brütet.